Im Gespräch mit Caspar Schmitz-Morkramer
Im Gespräch mit Caspar Schmitz-Morkramer, Architekt der Sedelhöfe.
Wovon haben Sie sich für den Entwurf der Sedelhöfe inspirieren lassen?
Als erstes sahen wir die große Chance ein Stück Stadt mitten in Ulm entstehen zu lassen. Diese Idee stand im krassen Widerspruch zu der bis dahin angedachten und viel kritisierten City-Passage. Es sollte ein Konzept mit einem zentralen Platz, der als urbanes Bindeglied zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt fungiert, entstehen.
Welche besonderen Herausforderungen bringt die Architektur eines Mischnutzungskonzeptes mit sich?
Bei einem Mischnutzungskonzept sind vor allem die Ansprüche an die Fassaden, Tiefen und Größen, die je nach Nutzungsart variieren, besonders herausfordernd. Die Kunst besteht darin, trotz der unterschiedlichen Anforderungen ein ganzheitliches, stimmiges Bild zu schaffen, das allen Komponenten gerecht wird.
Inwiefern fließt die städtebauliche Relevanz des Grundstückes in die Architektur der Sedelhöfe ein?
Wir sehen die unmittelbare Nähe zum Bahnhof als Chance und Verpflichtung gegenüber der Stadt und ihren Besuchern, die Sedelhöfe als das neue Tor zur Innenstadt zu präsentieren. Wir sind davon überzeugt, mit dem neuen Quartier, dessen Idee sich an der klassischen europäischen Stadt orientiert, die Aufgabe zu erfüllen.
Wie lange dauert der Prozess von der Idee bis zum finalen Entwurf eines Objektes?
Der gesamte Prozess ist sehr lebendig und im Grunde hören wir nie auf zu entwerfen! Der grundsätzliche Charakter eines Projektes steht zwar fest, doch das Gebäude und die Idee dahinter entwickeln sich stets weiter. Genau diese Lebendigkeit und Entwicklung eines Objektes macht unseren Beruf unfassbar spannend.
Aus wie vielen Kolleginnen und Kollegen besteht das Sedelhöfe-Team bei msm meyer schmitz-morkramer?
Über den gesamten bisherigen Prozess haben über 20 Leute bei uns an den Sedelhöfen gearbeitet. Im Kernteam waren es 10 Architekten unter 3 Projektleitern.
Welche Phase ist für Sie als Architekten von besonders großer Bedeutung?
Es gibt Momente, die herausstechen und besonders in Erinnerung bleiben: Als Anfang 2016 die Entwürfe für die Sedelhöfe vom Stadtrat freigegeben wurden. Der Aushub der 18 Meter tiefen Baugrube und zukünftig, der mit der Grundsteinlegung beginnende Rohbau.
Beschreiben Sie die einzelnen Schritte von der ersten Zeichnung bis zur finalen Präsentation des Entwurfs.
Die Idee entstand gemeinsam mit Lothar Schubert und die ersten Entwürfe skizzierten wir ganz klischeehaft auf einer Serviette. Im Fokus stand, dass die Sedelhöfe keine typische Mall werden sollten, sondern vielmehr ein urbaner Treffpunkt für die Ulmer.
Anschließend folgen die ersten Reinzeichnungen, in die städtebauliche Achsen integriert werden, um aus dem neuen Quartier und den vorhandenen Strukturen ein Gesamtkonstrukt zu bilden.
Während die Zeichnungen immer wieder überarbeitet werden, bauen wir Modelle, um ein Gefühl für den städtischen Kontext zu bekommen. Innerhalb dieses Prozesses werden Höhen, Tiefen und Dichten der jeweiligen Elemente definiert. Es sind viele kleine Schritte, die mehrfach wiederholt werden. Oft kommt die Aufgabe eines Architekten, der eines Dirigenten nahe, denn auch wir müssen viele verschiedene Instrumente in Einklang bringen. Jedes einzelne Instrument des Orchesters, benötigt individuelles Verständnis.
An welchem Punkt kann ein Architekt durchatmen?
Wenn alle Mieter und Nutzer des Objektes eingezogen und Stadt und Bauherr happy sind.
Bedeutet der Beginn der Bauphase Erleichterung oder Anspannung für einen Architekten?
Anspannung und Erleichterung gehen mit Beginn der Bauphase, Hand in Hand.
Erleichternd ist das Gefühl, wenn es „endlich losgeht“. Es ist immer wieder erstaunlich, wenn aus der Skizze auf einer Serviette, eine 10.000 m² große Baugrube entsteht. Gleichzeitig spürt man eine gewisse Anspannung: Mit dem Start der baulichen Umsetzung, spürt man die Verantwortung, die man als Architekt der Stadt und ihren Bürgern gegenüber hat.